Rede Hückelhoven

Ansprache von Frau Joerißen

Guten Tag meine Damen und Herren!

Erst einmal möchte ich mich für das Vertrauen bedanken, das Sie bzw. ihr mir entgegenbringt.
Bedanken möchte ich mich auch für die freundliche Begrüßung.
Es ist für mich eine große Ehre, dass ich als Patin für dieses Projekt bzw. für diese Schule von der Schulleitung vorgeschlagen wurde.
Das heutige Thema liegt mir sehr am Herzen, weil es auch mich tief berührt.
Mein Name ist Nuran Joerißen, ich bin 43 Jahre alt und lebe bereits seit meinem zweiten Lebensjahr in Deutschland.
Geboren wurde ich in Adana in der Türkei. Aus meiner ersten Ehe mit einem türkischen Mann habe ich zwei erwachsene Söhne, in der zweiten Ehe bin ich mit einem deutschen Mann verheiratet.
Aus meiner Lebensgeschichte heraus ist es  für mich ein unbeschreibliches Gefühl, wenn ich merke und spüre, dass andere Menschen mir vertrauen.
Wenn ich zurückblicke, sehe ich viele Menschen, die mir vertraut, an mich geglaubt und mir die Hand entgegengestreckt haben. Diejenigen, die meine Biografie kennen oder mein Buch „Süßer Tee“ gelesen haben, wissen, aus welchen sozialen und scheinbar hoffnungslosen Verhältnissen ich herauswachsen konnte.
Genau aus diesem Grund nehme ich mir das Recht heraus, Ihnen meine persönliche Haltung mitzuteilen, wenn ich die Frage gestellt bekomme: „Was heißt es für Sie, in der Fremde integriert zu sein?“
In einer Mehrheitsgesellschaft -der Begriff Mehrheitsgesellschaft bezeichnet den Teil einer Bevölkerung, der aufgrund seiner quantitativen Überlegenheit die kulturelle Norm eines Gemeinwesens definiert und repräsentiert- also in einer Mehrheitsgesellschaft integriert zu sein, bedeutet für mich,
die Sprache, die Kultur und die Gesellschaftsstruktur genau zu kennen, sodass ich mich mit diesen Dingen eins fühle.
Genau diese Punkte machen mich zu einem freien und unabhängigen Menschen.

Ich lebe in einem Land, das ich als Heimat bezeichne, ohne meine Herkunft aus dem Blick zu verlieren.
Ich lebe in einer Gesellschaft, die ich liebe und schätze.
Ich lebe in einer Gesellschaftsstruktur, deren Probleme und Belange mir nicht egal sind.
Ganz im Gegenteil, dies sind Punkte, für die auch ich mich verantwortlich fühle.
Ich lebe in einer Gesellschaft, die ich mitgestalten und mitformen möchte.
Wenn ich genau diese Ziele weiter verfolge, alle meine Ressourcen und Fähigkeiten dazu nutze, bringe ich selbstverständlich auch den Teil mit ein, der meine Herkunft ausmacht.
Erst mit und durch diese beiden kulturellen Pole, die mich so sehr geprägt haben, kann ich das sein, was ich bin.
Persönlich bin ich der Meinung, dass dies ein wesentlicher Punkt einer gelungenen Integration ist.
Die nötige Wertschätzung gegenüber beider für mich so wichtigen Kulturen zu fördern, ist eines meiner persönlichen Anliegen.
Vor einiger Zeit stieß ich auf ein Zitat von Thomas Merton, das genau meine Haltung widerspiegelt.
„  Keiner ist eine Insel!!“
 Eine Gemeinschaft, die keinen Dialog praktiziert und sich dem
 gemeinsamen Wachsen verschließt behindert ihren eigenen Reifungsprozess “
Zum Schluss möchte ich allen Beteiligten, die dieses Projekt ins Leben gerufen haben, zu diesem gelungenen Dialog beglückwünschen.  

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!