Termine aktuell

 

     Aus "Süßer Tee" wird gelesen am:

    

5.Juli.2012


 

     Lesung zum "Mädchentag" in Düren

     Haus der STADT

     Rudolf Schock Platz

     die gesamte Veranstaltung mit verschiedenen Workshops 

     von 8.00 bis 14.00 Uhr

 

 

 

20. September 2012

   

 

      Lesung

     "Nachbarschaftstreff" Setterich

      in der öffentlichen Bücherei St. Andreas

      An der Burg 1a

      52499 Baesweiler

      ab 19.30 Uhr

Leseprobe "Süßer Tee"

An der Wohnungstüre hörte ich die Stimme meiner Mutter, wie sie mit unserer Nachbarin von nebenan sprach. Es schien etwas Wichtiges zu sein, denn als ich die Wohnungstür aufschloss, hörten sie auf zu reden. Nachdem ich meine Schultasche im Kinderzimmer, das ich mit meinen zwei Schwestern teilte, abgelegt hatte, ging ich direkt in die Küche. Unser ganzes Leben spielte sich in dieser Küche ab, als sei sie das Zentrum von allem: von Entscheidungen, Glück und Trauer. Ich fühlte mich immer sehr wohl in der Küche. Es ging etwas Besonderes von diesem Ort aus.Wenn ich vor der Küche stand, und geradeaus sah, sah ich durch das Küchenfenster, den blauen Himmel, da wir in der vierten Etage eines Mehrfamilienhauses wohnten. An der rechten Wandseite der Küche stand unser Esstisch, immer mit einer geblümten Plastik – Tischdecke bedeckt. An den beiden Kopfseiten und an der linken Tischseite standen die Stühle angelehnt, die immer sehr unterschiedlich waren. Vor der linken Wandseite unserer Küche war unsere selbst zusammengestellte Küchenzeile, die wie zusammengewürfelt diese Wand bedeckte. Wir begrüßten uns jedes Mal sehr herzlich. Schon damals empfand ich die Begrüßungen untereinander als etwas Einmaliges. Nachdem ich während einer Tasse Tee den beiden Frauen eine Zeit lang zugehört hatte - sie redeten über Alltägliches, schien mir -, ging ich in das Kinderzimmer. An der Türschwelle stehend; sah ich mich unwillkürlich im Zimmer um, betrachtete das Etagenbett, worin meine 4 Jahre jüngere Schwester Elke und ich schliefen. Es stand unmittelbar links im Raum, dahinter befand sich noch das Einzelbett meiner 5 Jahre älteren Schwester Nurtel. Gegenüber dem Etagenbett war ein Schreibtisch, an dem wir drei abwechselnd unsere Hausaufgaben machten. Meine Schwester Nurtel besuchte die Hauptschule, Elke die Grundschule und ich die fünfte Klasse der Hauptschule.  Ich war dabei meinen Vater – man nannte ihn auch H. ,den Koch, weil er in seiner Militärzeit in der Türkei für die Küche und das Kochen zuständig war - davon zu überzeugen, dass das Gymnasium für mich das Richtige wäre. Das war ein nervenaufreibender Kampf, denn ich konnte mit meinem Vater nicht über Schule und Bildung reden, weil er absolut nichts davon hielt. Er meinte, dass man es nur durch körperliche Arbeit zu etwas bringen könne. Körperliche Arbeit war für ihn natürlich die Fabrikarbeit. Zum Schluss war ich sehr glücklich darüber, als er sagte: „ Mach doch, was Du willst. „Belki birgün basimiza Professor olursun“ „ Vielleicht wirst du mal ein Prof.“  Er grinste abscheulich dabei. Ich mochte nicht, wenn er so spöttisch mit uns redete. Ich bin mir sicher, dass er schon damals dachte, dass ich nicht ganz dicht wäre. Aber das war mir egal. Es war das erste Mal, dass ich mich durchsetzen konnte Zu dieser Zeit konnte ich natürlich noch nicht wissen, wie sich alles wenden würde. Unsere Möbel waren alt und gebraucht. Der Kleiderschrank, der direkt gegenüber unserer Zimmertür stand, war ebenfalls alt. Jedesmal wenn wir ihn öffneten, drohte die Tür aus den Angeln zu springen und quietschte dabei. Ich trat in das Zimmer ein und machte die Tür hinter mir zu, setzte mich an den Schreibtisch, um Aufgaben für die Schule zu erledigen. Einige Minuten später kamen auch schon mein Bruder Bülent, und meine beiden Schwestern nach Hause. Die Wohnung war voller Leben.  Wir Kinder harmonisierten sehr gut miteinander, auch wenn es öfters Meinungsverschiedenheiten zwischen uns gab. Mit meinem Bruder Bülent verstand ich mich besonders gut. Er war ein Jahr älter als ich und besuchte auch die Hauptschule wie meine Schwester und ich. Wir hatten noch einen älteren Bruder namens Ahmet, der seit langem nicht mehr bei uns wohnte, weil Vater ihn nicht leiden konnte. Er wohnte damals mit seiner Freundin Frauke in Bielefeld und bereitete sich auf ein Studium vor. Er kam mehr schlecht als recht durchs Leben und besuchte uns hin und wieder heimlich, da Vater uns den Kontakt zu ihm verboten hatte. Ich erinnere mich noch, dass mein Bruder und seine Freundin uns wieder mal heimlich besuchen wollten. Die beiden hatten auf einer Nebenstraße unseres Wohnblocks geparkt und solange gewartet bis Vater das Haus verlassen hatte. Einige Minuten später klingelte es zweimal direkt hintereinander an der Haustür. Das war das Zeichen, unser Zeichen! Unser Bruder Ahmet und Frauke waren gekommen und die Freude war groß. Jedes Mal hielt einer von uns Jüngeren Wache am Fenster für den Fall, dass Vater nach Hause käme. Aber diesmal meinte Mutter, dass er doch gerade erst das Haus verlassen hätte, daher wäre es nicht möglich, dass er so schnell wieder zurückkommen würde. Mutter müsste es ja wissen, dachten wir. Unser Bruder Ahmet und Frauke hatten uns immer etwas Spannendes zu erzählen. Wir Jüngeren hörten den beiden immer mit großem Interesse zu. Mir schien, als kämen sie aus einer anderen Welt. Das waren die Momente, wo ich aus meinem Alltag ausbrechen und mich erholen konnte. Unsere anregende Unterhaltung wurde von süß duftendem Gebäck und frischem Tee untermalt. Doch der Schrecken ließ nicht lange auf sich warten. Meine Schwester Nurtel kam schreiend aus der Küche und kündigte an, dass sie  Vater ins Haus hatte kommen sehen. Die Panik war groß. Mein Bruder Ahmet und Frauke mussten auf dem Speicher versteckt werden, ansonsten würden sich die beiden Feinde über den Weg laufen. In der letzten Minute fiel Mutter auf, dass auf dem Tisch zwei Teegläser und Kuchenteller zuviel waren. Schnell packte ich das Geschirr zusammen und rannte in die Küche, vor lauter Aufregung wusste ich nicht mehr wo ich die Sachen abstellen wollte, und wo sie unbemerkt blieben, jeden Moment würde Vater durch die Haustür kommen und mich mit dem Geschirr in der Hand erwischen. Kurzer Hand packte ich das Geschirr in den Backofen und raste anschließend ins Wohnzimmer. Als wir hörten wie Vater die Wohnungstür öffnete, saßen wir alle wie angewachsen oder gar angekettet auf der Couch und starrten den Fernseher so intensiv an, als würde es uns brennend interessieren, was da gerade lief.
Irgendwie hatte das Ganze einen sehr erdrückenden Beigeschmack. Vater kam mir vor wie die gesamte Gestapo, wir trauten uns nicht zu atmen, denn würde er dahinter kommen, dass wir hinter seinem Rücken gegen seine selbst gesetzten Verbote verstießen, dann würden wir, besonders meine Mutter, geradezu um Gnade betteln müssen und... - er durfte das noch nicht einmal ahnen. Allerdings war Vater sehr berechnend und ein guter Beobachter, so dass er unsere Unsicherheit bemerkt hatte, aber nicht zuzuordnen wusste. Davon abgesehen hatte er nur etwas vergessen und war in Eile. Nach einer sehr kurzen Zeit nahm er das Vergessene an sich und schlug die Wohnungstür hinter sich zu. Ich ging schnell ans Küchenfenster, um mich zu vergewissern, dass er das Gebäude auch tatsächlich verlassen würde. Er trat aber nicht aus der Haustür. Der jüngere Bruder Bülent hatte sich den Türspion vorgenommen und versuchte ihn zu beobachten. Vater stand im Flur und schaute sich um. Bülent und ich guckten uns an. Aus lauter Angst drohten wir zu erstarren. Würde er nochmals kehrtmachen und anfangen uns auszufragen. Ihm gegenüber waren wir schwach und hilflos. Doch er verließ das Gebäude, stieg in seinen Wagen, - den ich genau so wenig mochte, wie den Besitzer selbst , und fuhr ab. Einer von uns ging zum Speicher und holte die Beiden. Wir machten uns Tee und hatten einen schönen Nachmittag.

 

Theaterprojekt "Süßer Tee"

 

In Anlehnung an das Buch „Süßer Tee“ planen Nuran Joerißen, die Autorin des Buches „Süßer Tee“ und Friderike Wilckens - von Hein, künstlerische Leitung des Forumtheaters inszene e.V., ein interaktives Theaterstück, das Jugendliche und Erwachsene sensibilisieren und zum Dialog darüber anregen soll, wie sich junge Mädchen und deren Umfeld verhalten sollten, wenn eine Heirat gegen den Willen des Mädchens angebahnt wird.

Wer darf und wer soll sich einmischen?

Was kann die Betroffene selbst tun?

Wie kann man den Dialog innerhalb der Familie gestalten?

Was haben Außenstehende zu sagen und wie?

Das Forumtheater inszene recherchiert und inszeniert ein kurzes Theaterstück, zu dem die Zuschauer: Schüler, Nachbarn, Freunde, Lehrer, Sozialarbeiter, Eltern, Verwandte zur Lösungssuche eingeladen werden.

Zur Realisierung dieses Projektes suchen wir Kooperationspartner und Förderer, die gesellschaftliche Konfliktthemen einerseits ins Blickfeld bringen und eine differenzierte Auseinandersetzung darüber fördern wollen.

Für weitere Informationen den Link anklicken:

logo

Ansprechpartnerin: Frau Friderike Wilckens–von Hein

Lesung Aachen

 

Liebe Nuran,

wir sind immer noch sehr beeindruckt von deinem Vortrag und der offenen
Diskussion am 20. Januar. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen, und
die Hoffnungen auf ein gutes Gespräch über die Maßen erfüllt. Dass es auch
mehr war als ein einzelnes Ereignis, lässt an den vielen Teilnehmerinnen und
Teilnehmern erkennen, die sich in unsere Liste eingetragen haben, um in
einer Arbeitsgruppe weiter zu arbeiten. Das wäre uns ohne deine Hilfe sicher
nicht (oder nur unzureichend)gelungen. DANKE!

Wir hatten den Eindruck, dass es für dich auch eine ungewöhnliche Lesung
war. Weil doch einige türkische Frauen aktiv dabei waren, die sonst eher
nicht dabei sind. Auch das hat mich sehr gefreut.

Ich habe auch eine Reihe von Fotos, von denen ich dir eine Auswahl schicke.
Sie sind in kleinerem Datenformat, für Homepage (zum Beispiel deine?)
geeignet. Wenn du das eine oder andere aber auch in voller Größe haben
möchtest, sag mir einfach Bescheid.

Auf ein Wiedersehen
freut sich


Jochen Luczak
Geschäftsführung

Rede Hückelhoven

Ansprache von Frau Joerißen

Guten Tag meine Damen und Herren!

Erst einmal möchte ich mich für das Vertrauen bedanken, das Sie bzw. ihr mir entgegenbringt.
Bedanken möchte ich mich auch für die freundliche Begrüßung.
Es ist für mich eine große Ehre, dass ich als Patin für dieses Projekt bzw. für diese Schule von der Schulleitung vorgeschlagen wurde.
Das heutige Thema liegt mir sehr am Herzen, weil es auch mich tief berührt.
Mein Name ist Nuran Joerißen, ich bin 43 Jahre alt und lebe bereits seit meinem zweiten Lebensjahr in Deutschland.
Geboren wurde ich in Adana in der Türkei. Aus meiner ersten Ehe mit einem türkischen Mann habe ich zwei erwachsene Söhne, in der zweiten Ehe bin ich mit einem deutschen Mann verheiratet.
Aus meiner Lebensgeschichte heraus ist es  für mich ein unbeschreibliches Gefühl, wenn ich merke und spüre, dass andere Menschen mir vertrauen.
Wenn ich zurückblicke, sehe ich viele Menschen, die mir vertraut, an mich geglaubt und mir die Hand entgegengestreckt haben. Diejenigen, die meine Biografie kennen oder mein Buch „Süßer Tee“ gelesen haben, wissen, aus welchen sozialen und scheinbar hoffnungslosen Verhältnissen ich herauswachsen konnte.
Genau aus diesem Grund nehme ich mir das Recht heraus, Ihnen meine persönliche Haltung mitzuteilen, wenn ich die Frage gestellt bekomme: „Was heißt es für Sie, in der Fremde integriert zu sein?“
In einer Mehrheitsgesellschaft -der Begriff Mehrheitsgesellschaft bezeichnet den Teil einer Bevölkerung, der aufgrund seiner quantitativen Überlegenheit die kulturelle Norm eines Gemeinwesens definiert und repräsentiert- also in einer Mehrheitsgesellschaft integriert zu sein, bedeutet für mich,
die Sprache, die Kultur und die Gesellschaftsstruktur genau zu kennen, sodass ich mich mit diesen Dingen eins fühle.
Genau diese Punkte machen mich zu einem freien und unabhängigen Menschen.

Ich lebe in einem Land, das ich als Heimat bezeichne, ohne meine Herkunft aus dem Blick zu verlieren.
Ich lebe in einer Gesellschaft, die ich liebe und schätze.
Ich lebe in einer Gesellschaftsstruktur, deren Probleme und Belange mir nicht egal sind.
Ganz im Gegenteil, dies sind Punkte, für die auch ich mich verantwortlich fühle.
Ich lebe in einer Gesellschaft, die ich mitgestalten und mitformen möchte.
Wenn ich genau diese Ziele weiter verfolge, alle meine Ressourcen und Fähigkeiten dazu nutze, bringe ich selbstverständlich auch den Teil mit ein, der meine Herkunft ausmacht.
Erst mit und durch diese beiden kulturellen Pole, die mich so sehr geprägt haben, kann ich das sein, was ich bin.
Persönlich bin ich der Meinung, dass dies ein wesentlicher Punkt einer gelungenen Integration ist.
Die nötige Wertschätzung gegenüber beider für mich so wichtigen Kulturen zu fördern, ist eines meiner persönlichen Anliegen.
Vor einiger Zeit stieß ich auf ein Zitat von Thomas Merton, das genau meine Haltung widerspiegelt.
„  Keiner ist eine Insel!!“
 Eine Gemeinschaft, die keinen Dialog praktiziert und sich dem
 gemeinsamen Wachsen verschließt behindert ihren eigenen Reifungsprozess “
Zum Schluss möchte ich allen Beteiligten, die dieses Projekt ins Leben gerufen haben, zu diesem gelungenen Dialog beglückwünschen.  

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!